Die Magie von Mehl, Wasser und Zeit
Sein eigenes Brot zu backen, hat schon etwas ganz Besonderes. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie aus so einfachen Zutaten wie Mehl und Wasser am Ende ein lebendiges Lebensmittel entsteht. Besonders beim Sauerteig ist der Weg das Ziel: Zu sehen, wie sich der Teig im Laufe des Prozesses verändert, Blasen wirft und an Volumen gewinnt, ist pure Entschleunigung. Und die Belohnung? Ein duftender Laib, der beim Anschneiden herrlich knuspert und vielleicht noch ein wenig dampft. Dieses Rezept für Dinkel-Roggen-Sauerteigbrot ist bewusst anfängerfreundlich gehalten. Wir verzichten auf komplizierte Profi-Techniken und konzentrieren uns auf das Wesentliche: Geschmack und Gelinggarantie.
Warum Dinkel und Roggen das perfekte Duo sind
Warum mischen wir eigentlich diese beiden Mehlsorten? Ganz einfach: Sie gleichen sich perfekt aus.
- Der Dinkel: Er bringt feine, nussige Aromen und ein gutes Klebergerüst mit, das dem Brot Stand und Volumen gibt. Dinkelmehl (z.B. Type 630 oder 1050) sorgt dafür, dass die Krume locker und luftig wird.
- Der Roggen: Er ist der „Feuchtigkeits-Spender“. Roggen speichert Wasser extrem gut, was dafür sorgt, dass Ihr Brot auch nach drei Tagen noch saftig ist. Zudem liefert er die herzhafte Tiefe, die ein gutes Sauerteigbrot braucht.
Sauerteig für Einsteiger: Keine Angst vor dem „Wilden“
Viele Hobbybäcker haben Respekt vor Sauerteig. Doch dieses Rezept nimmt Sie an die Hand. Der Sauerteig übernimmt hier die Arbeit der Hefe: Er lockert den Teig und sorgt für eine bessere Verdaulichkeit. Durch die lange Reifezeit werden „FODMAPs“ (schwer verdauliche Zuckerarten) abgebaut, was dieses Brot oft auch für Menschen bekömmlich macht, die auf schnelle Industriebrote empfindlich reagieren.
Das Geheimnis der „Langen Führung“: Warum Zeit den Geschmack macht
Vielleicht haben Sie sich schon gefragt, warum dieses Rezept eine Ruhezeit über Nacht vorsieht. In der Bäckersprache nennt man das „lange Führung“. Während der Teig im Kühlschrank ruht (die sogenannte „Gare“), passiert Magisches:
- Aroma-Explosion: Die Hefen und Bakterien im Sauerteig haben viel Zeit, komplexe Aromastoffe zu bilden. Das Brot schmeckt dadurch nicht einfach nur nach Mehl, sondern entwickelt eine tiefe, leicht nussige und milde Säurenote.
- Frischhaltung: Durch die lange Quellzeit können die Mehlpartikel viel mehr Wasser aufnehmen und speichern. Das Ergebnis ist eine Krume, die nicht krümelt, sondern elastisch und saftig ist.
- Bekömmlichkeit: Die lange Fermentation sorgt dafür, dass schwer verdauliche Zuckerstoffe im Getreide (FODMAPs) abgebaut werden. Viele Menschen empfinden lang geführtes Sauerteigbrot daher als deutlich angenehmer für den Bauch als schnelles Industriebrot.
Dinkel – Die „Diva“ unter den Getreiden?
Wir verwenden in diesem Rezept Dinkelmehl als Hauptkomponente. Dinkel erlebt zurecht ein Revival, gilt aber unter Bäckern oft als „zickig“. Warum? Sein Klebereiweiß ist empfindlicher und weicher als das von Weizen. Wenn man Dinkel zu lange und zu intensiv knetet, kann die Teigstruktur wieder zerfallen – der Teig „läuft breit“. Unser Tipp für dieses Rezept: Kneten Sie den Teig schonend. Sobald er sich vom Schüsselrand löst, ist er fertig. Die Stabilität holen wir uns später nicht durch Kneten, sondern durch das sanfte „Dehnen und Falten“ während der Ruhezeit. So bändigen Sie die Diva garantiert!
Das Anstellgut: Der Motor Ihres Brotes
Der Erfolg dieses Brotes steht und fällt mit Ihrem Sauerteig-Starter, dem „Anstellgut“. Er ersetzt die Hefe aus dem Supermarkt komplett. Damit er genug Triebkraft hat, um den schweren Roggen und Dinkel zu heben, muss er fit sein.
- Der Schwimmtest: Sind Sie unsicher, ob Ihr Sauerteig bereit ist? Nehmen Sie ein Glas Wasser und geben Sie einen Teelöffel Ihres frischen Sauerteigs hinein. Schwimmt er oben, ist er voller Gase und bereit zum Backen. Geht er unter, muss er noch etwas gefüttert werden oder wärmer stehen.
- Der Geruch: Ein gutes Anstellgut riecht angenehm säuerlich, fast wie Joghurt oder fruchtiger Apfelessig, aber niemals stechend oder faulig.
Zubehör-Check: Was Sie wirklich brauchen
Lassen Sie sich nicht von teurem Profi-Equipment abschrecken. Für dieses Einsteiger-Brot brauchen Sie keine voll ausgestattete Backstube. Ein paar Helfer sind jedoch Gold wert:
- Gusseiserner Topf (Dutch Oven) oder Römertopf: Sie simulieren den professionellen Dampbackofen. Der Deckel hält die Feuchtigkeit am Brot, sodass es maximal aufgehen kann, bevor die Kruste fest wird.
- Gärkörbchen: Da Dinkelteige oft etwas weicher sind, gibt das Gärkörbchen dem Teigling während der Ruhezeit Form und Halt. Zudem sorgt es für das typische Rillenmuster auf der Kruste. (Tipp: Eine Schüssel mit einem gut bemehlten Leinentuch tut es für den Anfang auch!)
- Rasierklinge oder Bäckermesser: Um das Brot vor dem Backen einzuschneiden, brauchen Sie eine extrem scharfe Klinge. Das Einschneiden ist nicht nur Deko – es bestimmt, wo das Brot aufreißt, damit es nicht wild an der Seite platzt.



Anleitung (Schritt-für-Schritt)
1. Den Sauerteig fit machen
Bevor wir starten, muss Ihr Anstellgut (der Starter im Kühlschrank) hellwach sein. Füttern Sie ihn etwa 4–6 Stunden vor dem Backen, bis er sich im Volumen verdoppelt hat und angenehm mild-säuerlich riecht. Nur ein aktiver Sauerteig garantiert einen lockeren Ofentrieb.
2. Autolyse: Die Ruhe vor dem Sturm
Vermischen Sie zunächst nur die Mehlsorten und das Wasser grob miteinander und lassen Sie diese Mischung 30–60 Minuten stehen. In dieser Zeit, der sogenannten Autolyse, saugt sich das Mehl voll. Das Klebereiweiß beginnt sich zu vernetzen, noch bevor der Sauerteig und das Salz hinzukommen. Das macht den Teig später viel geschmeidiger und leichter zu verarbeiten.
3. Den Hauptteig kneten
Nun kommen der aktive Sauerteig und das Salz hinzu. Kneten Sie den Teig (ca. 8–10 Minuten mit der Maschine), bis er sich gut vom Schüsselrand löst. Bei Dinkel sollten Sie vorsichtig sein: Kneten Sie nicht zu lange und zu wild, da Dinkel-Kleber empfindlich ist und „überknetet“ werden kann (der Teig wird dann wieder weich und glänzend-nass).
4. Dehnen und Falten (Stretch & Fold)
Während der Teigruhe (Stockgare) von ca. 3–4 Stunden sollten Sie den Teig alle 45 Minuten einmal „dehnen und falten“. Ziehen Sie den Teig vom Rand hoch und legen Sie ihn zur Mitte. Das stärkt die Struktur, sodass das Brot im Ofen nicht breitläuft, sondern schön nach oben zieht.
5. Formen und Backen
Formen Sie den Teig vorsichtig zu einem runden oder länglichen Laib und lassen Sie ihn im Gärkörbchen nochmals reifen (ca. 60–90 Min bei Raumtemperatur oder über Nacht im Kühlschrank). Heizen Sie den Ofen (und idealerweise einen Gusseisentopf oder Backstein) auf 250 °C vor. Backen Sie das Brot mit Dampf („Schwaden“) kräftig an und reduzieren Sie nach 10 Minuten die Hitze auf 210 °C. Das sorgt für die knuspernde Kruste, die wir so lieben.
Das Geheimnis der Saftigkeit: Der Dinkelbrei (Kochstück)
Vielleicht haben Sie sich beim Lesen der Zutatenliste gefragt: „Wozu der Aufwand mit dem gekochten Dinkelbrei?“ In der Fachsprache nennt man das ein Brühstück oder Kochstück. Indem wir das Dinkel-Schrot mit kochendem Wasser übergießen und quellen lassen, verkleistert die Stärke im Getreide. Das Ergebnis: Der Teig kann deutlich mehr Wasser binden, ohne dass das Brot klitschig wird. Genau dieser Schritt sorgt dafür, dass Ihr Brot auch nach drei Tagen noch so saftig schmeckt wie am ersten Tag und nicht bröselt. Der kleine Mehraufwand am Vorabend lohnt sich also garantiert!
Hilfe, mein Teig ist klebrig! (Ein gutes Zeichen)
Viele Backanfänger erschrecken, wenn sie den Teig nach dem Kneten sehen: Er ist weich, feucht und klebt an den Händen. Bitte geben Sie kein extra Mehl hinzu! Die Kombination aus Roggen und Dinkel verhält sich anders als reiner Weizenteig.
- Roggen besitzt kein Klebergerüst, das den Teig elastisch macht – er sorgt für die „klebrige“ Bindung.
- Dinkel hat zwar Kleber, dieser ist aber sehr dehnbar und empfindlich. Ein weicher Teig ist der Garant für eine großporige, luftige Krume. Damit Sie ihn trotzdem bändigen können, nutzen Sie den Trick aus der Anleitung: Befeuchten Sie Ihre Hände beim Falten mit Wasser oder ölen Sie sie leicht ein. So lässt sich der Teig bearbeiten, ohne dass er an den Fingern haftet.
- Bäcker-Qualität: Mit dem Tontopf backen Sie Brot in Perfektion – Der unglasierte Deckel gibt während des Backprozesses Wasserdampf ab und ermöglicht das „Schwaden“. Mit Römertopf werden Sie vom Anfänger zum Profi, bereits beim 1. Versuch.
- Warum Ton statt Gusseisen: Unser glasiertes Unterteil hat eine starke Anti-Haft Wirkung, rostet nicht, kann in der Spülmaschine gereinigt werden und hat eine lange Lebensdauer. Viele Römertöpfe werden über mehrere Generationen weitergegeben.
- Deutsche Qualität seit 1967: Sie kennen Römertopf noch von Oma? Sie wusste was gut ist! Auch Jahrzehnte später halten wir unser Versprechen und produzieren unsere Töpfe mit höchsten Qualitätsanforderungen in Portugal.
Warum wir „Schluss nach unten“ backen
In vielen Rezepten liest man, das Brot solle mit dem „Schluss“ (der Nahtstelle beim Formen) nach unten gebacken werden. Bei diesem Römertopf-Brot können Sie experimentieren:
- Schluss nach unten: Das Brot bekommt eine glatte Oberfläche und reißt meist kontrolliert an der Seite oder dort auf, wo Sie es einschneiden.
- Schluss nach oben: Das ergibt eine herrlich rustikale Optik! Das Brot platzt wild an den natürlichen Nahtstellen auf („rustikaler Ausbund“). Da wir im Topf backen, müssen Sie keine Angst haben, dass es auseinanderfließt – die Form hält den Teig in Zaum.
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Häufige Fragen zum Dinkel-Roggen-Sauerteigbrot
Anders als bei vielen „Blitz-Broten“ setzen wir hier auf einen heißen Start. Laut Anleitung wird der Römertopf bereits während der Aufheizphase in den Ofen gestellt. Das hat einen wichtigen Grund: Der Teig hat durch die lange Ruhezeit schon sein volles Volumen erreicht. Würde er sich langsam im Topf erwärmen, könnte er „breitlaufen“. Der heiße Topf sorgt für einen sofortigen „Oven Spring“ (Ofentrieb) – die Kruste stabilisiert sich schnell und das Brot behält seine schöne Form. Wichtig: Geben Sie niemals kaltes Wasser in den heißen Tontopf (Bruchgefahr)!
Nein, keine Sorge! Wenn Sie am Backtag feststellen, dass Ihr Vorteig keine Blasen wirft oder „faul“ wirkt, haben wir einen Rettungsanker eingebaut: Kneten Sie einfach 10 g frische Hefe zusätzlich in den Hauptteig ein. Das unterstützt den Trieb und sorgt dafür, dass das Brot trotzdem locker wird, auch wenn der Sauerteig mal einen schlechten Tag hatte.
Wir raten dringend davon ab. Der Dinkelbrei (das „Kochstück“) ist der Schlüssel zur Saftigkeit. Durch das Aufkochen verkleistert die Stärke und bindet das Wasser im Teig. Ohne diesen Brei wäre das Brot deutlich trockener und würde schneller altbacken schmecken. Der kleine Aufwand am Vorabend lohnt sich garantiert!
Das ist bei diesem Rezept absolut gewollt! Die Anleitung weist explizit darauf hin, dass ein sehr weicher und feuchter Teig normal ist. Dinkel und Roggen binden Wasser anders als Weizen. Versuchen Sie bitte nicht, durch mehr Mehl einen festen Knetteig zu erzeugen – das Brot würde sonst „betonartig“ hart werden. Nutzen Sie stattdessen nasse Hände oder einen Teigschaber, um den Teig zu bändigen.
Obwohl der Römertopf Feuchtigkeit speichert, sorgt die zusätzliche Wasserschale auf dem Ofenboden für extra Dampf („Schwaden“) zu Beginn der Backzeit. Dieser Dampf verhindert, dass die Kruste zu schnell fest wird und einreißt. Er sorgt für den schönen Glanz und ermöglicht dem Brot, sich in den ersten 10–15 Minuten optimal auszudehnen.



